Die Kündigung ist verfasst – und die Zeit läuft...

Ich stehe nun 3,5 Monate vor dem offiziellen Start in den wohl größten Umbruch seit meinem Eintritt in die Arbeitswelt. Im Gegensatz zu diesem einschneidenden Schritt wirkt der Weg, der jetzt vor mir liegt, allerdings alles andere als gepflastert oder in Stein gemeißelt. Ich habe keine dreijährige Ausbildung oder ein Studium durchlaufen, das mich darauf vorbereitet hätte, mir auf fremden Kontinenten einen ganz neuen Weg zu bahnen.

Offen gestanden: Als mir die Idee der Reise im vergangenen Jahr zum ersten Mal realistisch erschien – weil das Ersparte, das sich über Jahre aufgebaut hatte, langsam die Summe erreichte, die ich als mein Startkapital definiert hatte – habe ich dem Gedanken zunächst nicht viel Bedeutung beigemessen. Es schien alles noch in weiter Ferne.

Gleichzeitig wurde diese Vorstellung zu einem gedanklichen Zufluchtsort, an den ich mich an stressigen Arbeitstagen zurückziehen konnte. In Gedanken an Südseestrände oder Expeditionen durch dichte Wälder und Dschungel zu fliehen, war eine willkommene Abwechslung zu PowerPoint-Schlachten und zu Meeting-Fluten, die es scheinbar mühelos schafften, bereits zu Wochenbeginn jede noch so kleine Lücke im Kalender zu schließen.

Ein halbes Jahr später erlaubte ich mir, konkreter zu werden. Ich begann, eine Reiseroute auszuarbeiten – und stellte schnell fest, dass selbst ein ganzes Jahr für all meine Traumziele eine erstaunlich kurze Zeit ist. Gleichzeitig merkte ich, wie anspruchsvoll es ist, eine Route zu entwickeln, die auch wettertechnisch sinnvoll ist, damit am Ende nicht der einzige Rucksack, den es zu packen gilt, aus allen Nähten platzt.

Die Excel-Datei, die ich dafür aufgesetzt habe, wurde Woche für Woche umfangreicher. Neben den Reisezielen ergänzte ich eine Bucket-List mit Orten und Aktivitäten, die für mich unverzichtbar sind. Ich recherchierte Visa- & Impf-Bestimmungen, strukturierte Zeiträume und entwickelte sogar eine Scorecard, die mir helfen sollte, Länder als „Must-have“ oder als verschiebbar einzuordnen.

Spätestens hier wurde mir bewusst, dass die Planung und Vorbereitung einer solchen Reise alles andere als ein Zuckerschlecken ist.

Hinzu kommt, dass es in Deutschland gar nicht so trivial ist, sich einfach abzumelden, ein Jahr durch die Welt zu ziehen und anschließend wieder nahtlos am gewohnten Leben teilzunehmen – aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.

Nun aber zum heutigen Tag. Jenem, an dem ich meine Kündigung formuliert, unterschrieben und meine Entscheidung damit endgültig gemacht habe. Seitdem kreisen meine Gedanken darum, wie ich meinem Chef in den kommenden Tagen diese Nachricht überbringen werde.

Und ehrlich gesagt: Den perfekten Weg dafür gibt es vermutlich nicht.

Was ich jedoch spüre, ist Erleichterung. Erleichterung deshalb, weil ich ihm und auch meinen liebgewonnenen Kollegen endlich von meinem Entschluss erzählen möchte. Bislang ist alles noch ein wohlgehütetes Geheimnis, von dem nur meine engsten Freunde im Unternehmen wissen.

Allein der Gedanke daran, diesen Schritt nun offen auszusprechen, überwältigt mich manchmal so sehr, dass ich schmunzeln – fast grinsen – muss. Denn mit dieser Entscheidung lasse ich vieles los, worauf ich in den letzten Jahren hingearbeitet habe: eine sichere Anstellung, ein sehenswertes Gehalt, einen Dienstwagen mit Tankkarte sowie ein wunderschönes Eigenheim im Grünen, das ich voraussichtlich ebenfalls kündigen werde.

Ich habe damit all das erreicht, was ich mir als Student wohl für meine Zukunft gewünscht hätte. Und dennoch bin ich bereit, es aufzugeben – für die Chance, mich weiterzuentwickeln und die Welt intensiver kennenzulernen.

Das in Worte zu fassen und meinem Chef zu erklären, bringt mich erneut zum Schmunzeln. Vielleicht, weil es ein wenig verrückt klingt und dem klassischen, sicherheitsorientierten Denken so sehr entgegensteht. Umso gespannter bin ich auf die Reaktionen, die mir begegnen werden.

Für mich steht jedoch fest: Ich zweifle nicht an meiner Entscheidung – im Gegenteil. Mit jedem Tag fühle ich mich klarer und mir selbst ein Stück näher. Fast so, als würde ich Reputation gegen Authentizität eintauschen.

Und genau das spiegelt mir auch mein Körper wider. Meine Ausgeglichenheit verbessert sich, meine sportliche Leistungsfähigkeit steigt, und ich bin entspannter denn je – wie mir sogar mein täglicher Schlafscore bestätigt.

Mit all diesem positiven Feedback freue ich mich nun auf das bevorstehende Abenteuer – und darauf, Euch weiterhin an meinen Gedanken und Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Mit besten Grüßen, Nick Steegmann

Der Entschluss zum Aufbruch

In diesem Beitrag geht es um meine Entscheidung, für zwölf Monate auf Weltreise zu gehen. Ich teile die Gedanken, Erfahrungen und inneren Beweggründe, die mich zu diesem Schritt geführt haben – geprägt von Dankbarkeit für meinen bisherigen Weg und dem klaren Gefühl, dass für mich noch mehr wartet. Ein sehr persönlicher Text, der zeigt, warum dieser Aufbruch für mich kein Ausbruch ist, sondern ein bewusster Schritt nach vorn.