"Gesunder Egoismus" - Verantwortung für sich selbst übernehmen

In diesem Beitrag geht es um die Überzeugung, dass es nicht nur okay, sondern sogar gesund ist, sich selbst der Nächste zu sein – selbstverständlich in einem angemessenen Bezugsrahmen. Denn wenn du selbst nicht zuerst an dich denkst, wird es vermutlich niemand für dich tun.

Ich weiß nicht, ob der Begriff gesunder Egoismus zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, bereits im allgemeinen Sprachgebrauch existiert oder ob es sich um eine Neuschöpfung handelt. Was ich jedoch weiß, ist, dass dieser Gedanke mir im Leben bereits mehrfach geholfen hat. Und ich hoffe, dass er auch für dich eine ähnliche Wirkung entfalten kann.

Vertraut man dem, was uns in der Kindheit oft vermittelt wurde, ist Egoismus ein klar negativ konnotiertes Wort. Egoistisch zu sein galt als etwas Rücksichtsloses, beinahe moralisch Verwerfliches. Die Realität ist jedoch eine andere. Denn wie sollen wir unserem eigenen Sinn im Leben näherkommen, wenn immer alles und jeder vor uns selbst steht – nur wir nicht?

Für mich begann dieser Gedanke vor allem in schwierigen Phasen Bedeutung zu gewinnen. Etwa nach schmerzhaften Trennungen, dem Ende einer Partnerschaft oder dem Bruch einer engen Freundschaft. Früher habe ich in solchen Momenten fast ausschließlich bei mir selbst gesucht:

  • Was habe ich falsch gemacht?
  • Wie hat mein Verhalten dazu geführt, dass wir jetzt hier stehen?
  • Hätte ich anders handeln müssen?

Ich glaubte lange, wenn ich mich nur genug anstrenge, würde ich alles wieder in Ordnung bringen können. Also habe ich mich verbogen. Habe mich angepasst, zurückgenommen, erklärt. So sehr, dass ich mich rückblickend selbst kaum wiedererkannte – und offen gesagt oft eine Version von mir gelebt habe, die nicht im Einklang mit meinen Werten stand.

Gesunder Egoismus trat erstmals als eine Form des Selbstschutzes in mein Leben. Ich begann zu verstehen, wie viel innere Ruhe darin liegt, sagen zu können: Ich habe alles gesagt und getan, was mir wichtig war. Ich habe im Einklang mit meinen Werten gehandelt. Ich bin mir selbst keine weitere Rechenschaft schuldig und kann hinter meiner Entscheidung stehen.

Dieses Gefühl bestärkte mich – nicht nur in dem, was ich entschieden hatte, sondern auch in mir selbst. Gleichzeitig nahm es mir die Last, zu glauben, dass alle Probleme in Beziehungen allein bei mir liegen oder ausschließlich von mir gelöst werden müssten.

Dem gegenüber steht eine Dynamik, die wir alle gut kennen: In schwierigen Situationen beginnen wir, das Verhalten des anderen zu interpretieren. Wir versuchen zu verstehen, was ihn bewegt haben könnte, welcher innere Konflikt gerade wirksam war oder welcher Auslöser sein Handeln beeinflusst hat. Oft geschieht dies jedoch nicht auf Grundlage von Fakten, sondern auf Basis unserer eigenen Unsicherheiten. So entstehen schnell Szenarien, die schwerer wiegen als die Realität – nicht selten solche, in denen wir uns selbst eine zentrale Rolle zuschreiben und Verantwortung übernehmen, die uns so vielleicht gar nicht zusteht. 

Was uns in solchen Momenten helfen kann, ist ein bewusstes Innehalten. Ein Schritt zurück – weg von Interpretation und Selbstvorwürfen, hin zu ehrlicher Selbstreflexion:

  • Habe ich alles gesagt und getan, was im Einklang mit mir steht?
  • Bin ich stolz darauf, wie ich gehandelt habe?
  • Oder braucht es noch eine weitere, bewusste Bemühung von meiner Seite?

Und wenn diese Fragen für dich klar beantwortet sind, folgt ein Gedanke, auf den ich in einem weiteren Kapitel noch näher eingehen werde: „Lass sie“. Nun liegt es nicht mehr in deiner Hand. Deine Aufgabe ist es, zu akzeptieren und darauf zu vertrauen, dass sie ihren eigenen Weg finden.

Ein Mantra, das auf den ersten Blick einfach erscheint – und doch so schwer umzusetzen ist. Ein Mantra, das wir üben müssen, bevor es seine Wirkung entfalten kann. Denn allzu oft funken uns unsere Emotionen dazwischen und hindern uns daran, selbstreflektiert zu handeln.

Viele Dinge, und vor allem die Gefühle anderer, liegen nicht in unserem Einflussbereich. Es ist nicht unsere Aufgabe, sie zu verändern. Gerade der Versuch, dies dennoch zu tun, führt häufig zu innerem Druck – bei uns selbst wie auch beim Gegenüber. Was wir stattdessen tun können, ist Verantwortung für unseren eigenen Anteil zu übernehmen: für das, was wir sagen, wie wir handeln und wofür wir stehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Erwarten wir nicht alle, dass unser Partner oder ein guter Freund uns versteht? Dass unsere Beweggründe gesehen und eingeordnet werden können? Entscheidend ist dabei zu erkennen, dass wir in diesem Moment keine Macht abgeben – im Gegenteil. Wir behalten sie. Wir entscheiden uns bewusst dafür, darauf zu vertrauen, dass der andere aus unseren Worten und unserem Verhalten das Richtige herausliest und sein eigenes Handeln reflektiert.

So entstehen langfristig gesunde Beziehungen. Und selbst dann, wenn dieser Prozess nicht auf Gegenseitigkeit beruht, haben wir unseren Teil getan. Nach dem Abklingen der Emotionen und mit etwas zeitlichem Abstand können wir rational stolz auf unsere Entscheidung sein – darauf, dass wir für den Menschen eingestanden sind, der wir sind, und uns nicht gegen unsere eigenen Werte gestellt haben.

Ein Bild, das mir in diesem Zusammenhang sehr gefällt, beschreibt Verhalten als ein Geschenk. Alles, was uns entgegengebracht wird – Positives wie Negatives – wird uns gereicht. Und es liegt an uns, ob wir dieses Geschenk annehmen wollen. Lehnen wir es ab, bleibt es beim Absender. Dieses Bild macht deutlich, dass wir mehr Kontrolle haben, als wir oft glauben. Wir entscheiden, womit wir uns belasten und womit nicht.

Ich bin überzeugt davon, dass gesunder Egoismus die Grundlage vieler der wichtigsten Entscheidungen in unserem Leben sein sollte. Umso entscheidender ist es, die eigenen Ziele zu kennen, den persönlichen Sinn zu verstehen und ehrlich zu hinterfragen, ob unser Handeln tatsächlich darauf ausgerichtet ist.

Offen gesagt ist dieser Beitrag auch ein Appell, den Blick bewusst auf sich selbst zu richten. Die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen – so ernst, dass wir uns den Raum schaffen, ihnen nachzugehen. Dass wir aufhören, unser Leben vom Beifahrersitz aus zu betrachten, und beginnen, Verantwortung für die Richtung zu übernehmen, in die wir steuern. Wir sind es wert, unser bestes Leben zu führen und unseren Wünschen und Träumen mit Klarheit und Mut zu folgen.

Ich freue mich, wenn dich dieser Beitrag ein Stück auf deinem eigenen Weg begleiten darf.

Mit besten Absichten, Nick

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