Schlummerndes Potenzials - Weil mehr in dir steckt!
Die Theorie der Plateaus des schlummernden Potenzials habe ich erstmals in dem Buch Die 1%-Methode von James Clear gelesen. Offen gestanden habe ich den dort beschriebenen Effekt in den vergangenen Jahren selbst erlebt, lange bevor ich einen Begriff dafür hatte.
Im Kern geht es darum, dass wir in unserem täglichen Tun selten sofort einen sichtbaren Outcome erkennen. In der modernen Gesellschaft erfahren wir überwiegend eine verzögerte Belohnung. Wir investieren Zeit, Energie und Disziplin, ohne unmittelbar ein Ergebnis präsentiert zu bekommen. Gerade im Berufsleben wird das deutlich. Wir arbeiten hart, übernehmen Verantwortung, entwickeln uns weiter und streben nach einer Gehaltserhöhung oder einer verantwortungsvolleren Position. Doch die Belohnung erfolgt nicht unmittelbar. Zunächst sammeln sich Einsatz, Erfahrung und Leistung im Verborgenen an, bis irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem sich die kumulierte Arbeit auszahlt.
Im Fitnessstudio verhält es sich kaum anders. Wir absolvieren Trainingseinheit nach Trainingseinheit und sehen zunächst keinen Effekt, der über einen kurzfristigen Pump hinausgeht. Das Sixpack erscheint nicht über Nacht und auch der Winterspeck verschwindet nicht nach wenigen Wochen. Stattdessen braucht es Kontinuität, Geduld und die Bereitschaft, immer wieder anzutreten.
Es kann sich anfühlen, als würden wir ein Tal durchschreiten. Wir laufen, klettern und strengen uns an und plötzlich, scheinbar von einem Tag auf den anderen, überwinden wir eine Grenze. Wir erreichen ein neues Plateau und das Tal liegt hinter uns. Der Schein trügt jedoch. Nicht der letzte Schritt war entscheidend für den Traumkörper oder den Traumjob, sondern die Summe aller Schritte, die uns durch dieses Tal geführt hat.
Das Herausfordernde an diesem Prozess ist, dass wir evolutionär nicht auf ein solches System ausgelegt sind. Wir sehnen uns nach unmittelbarer Belohnung. Unser Gehirn möchte schnell bestätigt werden. Bleibt diese Bestätigung aus, beginnen Zweifel. Es entsteht das Gefühl, die eigene Arbeit zahle sich nicht aus. Genau hier geben viele auf. Um dem entgegenzuwirken, halte ich es für essenziell, sich selbst bewusst kleine Belohnungen auf dem Weg zu setzen, bis die großen Ergebnisse sichtbar werden.
Idealerweise stehen diese Belohnungen im Einklang mit dem jeweiligen Ziel. Bezogen auf mein Training verfolge ich beispielsweise einen klaren Ansatz. Für jede absolvierte HYROX-Trainingseinheit zahle ich vier Euro auf ein separates Sparkonto ein, das ausschließlich diesem Ziel gewidmet ist, nämlich in Topform zu kommen. Nach einigen schweißtreibenden Wochen nutze ich das angesparte Geld für neue Sportsachen. Dadurch fühle ich mich beim Training wohler und gehe mit noch mehr Motivation ins nächste Workout. Disziplin und Freude verstärken sich gegenseitig.
Im Beruf lässt sich dieses Prinzip ebenso anwenden. Wenn ich eine besonders fordernde Arbeitswoche trotz aller Widrigkeiten erfolgreich abschließe und meine Ergebnisse messbar steigere, zahle ich zehn Euro in einen separaten Spartopf ein. Dieses Geld ist für bewusste Erholung reserviert. In meinem Fall bedeutet das, alle vier bis sechs Wochen eine private Sauna oder eine Saunalandschaft zu besuchen, um vollkommen abzuschalten und neue Energie zu tanken. Leistung und Regeneration stehen so in einem gesunden Verhältnis.
Besonders greifbar wurde mir das Plateau des schlummernden Potenzials in meiner eigenen beruflichen Entwicklung. Seit meinem 18. Lebensjahr war ich nahezu durchgehend beschäftigt. Ich absolvierte mein Vollzeitstudium in den Niederlanden, arbeitete parallel als Werkstudent und übernahm in den Semesterferien häufig 40-Stunden-Wochen, um mir unter anderem mein Auslandssemester zu finanzieren. Um optimal ins Berufsleben zu starten, nahm ich Voll- und Teilzeitpraktika in namhaften Unternehmen an und hielt kontinuierlich Ausschau nach neuen Chancen. Jeder Schritt war bewusst gewählt, jeder Wechsel gut überlegt. Dennoch veränderten sich meine Lebensumstände lange Zeit nur schrittweise. Ich zog mit meiner Partnerin in eine erste gemeinsame Wohnung, baute kleinere Rücklagen auf und fuhr weiterhin unseren alten Skoda Fabia mit Gasanlage, um steigende Spritkosten möglichst effizient zu handhaben.
Zwei Jahre später folgte der nächste Jobwechsel und mit ihm eine spürbare Veränderung. Ich zog erneut um und erhielt eine deutlich besser vergütete Position. Plötzlich gehörten ein Dienstwagen und eine Tankkarte zu meinem Alltag. Aus einer Wohnung wurde ein Haus, das all das verkörperte, was ich mir zuvor ausgemalt hatte. In den ersten Wochen in Köln fühlte es sich beinahe surreal an, als würde ich in einem Leben aufwachen, das noch nicht ganz meines war. Ich fragte mich, wie ich das verdient hatte. Heute sehe ich darin kein Zufallsprodukt, sondern die logische Konsequenz vieler kleiner Schritte. Die Jahre zuvor hatten sich gewissermaßen angestaut, bis der sichtbare Erfolg eintrat. Die Fahrt durch das Plateau war beendet und das Ergebnis wurde greifbar.
Auch im Sport habe ich dieses Muster erlebt. Trotz Pendeln, Zeitmangel und eingeschränkter Flexibilität habe ich weitertrainiert. Der Fortschritt war lange kaum sichtbar. Erst nach dem Umzug, mit mehr Struktur und einem neu aufgebauten Umfeld, wurden die Ergebnisse deutlicher. Doch auch hier war es nicht der eine Wendepunkt, sondern die Kontinuität davor, die den Unterschied machte.
Das Plateau des schlummernden Potenzials erinnert mich immer wieder daran, geduldig zu bleiben. Nur weil sich heute noch nichts zeigt, heißt das nicht, dass nichts geschieht.
So kannst du dir das Plateau vorstellen:
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