Dieser Beitrag ist für dich, wenn…
– du das Gefühl kennst, äußerlich alles erreicht zu haben und dich innerlich trotzdem wie betäubt fühlst
– du dich fragst, ob das schon alles gewesen sein soll – und dich nicht traust, es laut auszusprechen
– du wissen willst, warum gerade unsere Generation so anfällig für diese leise Sinnkrise ist
– du spürst, dass dich nicht die äußeren Umstände aufhalten, sondern die Erwartungen anderer
– du ein Leben führen möchtest, das sich nicht nur richtig anhört, sondern sich auch stimmig anfühlt
Raus aus der Quarterlife Crisis: Wie wir diese schwierige Phase überwinden
Seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Begriff, der in den vergangenen Jahren immer häufiger in den verschiedensten Medien auftaucht: die Quarterlife Crisis. Gemeint ist jene eigentümliche Unruhe, die viele von uns zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig erfasst — ein Lebensabschnitt, in dem äußerlich vieles an seinem Platz zu sein scheint und sich innerlich dennoch die Frage regt: „Ob das bereits alles gewesen sein soll?“ Bei meinen Recherchen bin ich auf viele Studien getroffen, die nahelegen, dass ein erheblicher Teil der jungen Erwachsenen in Deutschland dieses Gefühl kennt. Da stellte sich mir doch die Frage, warum dann so wenige das Thema offen ansprechen und der Begriff in den Medien eher wie eine kurzfristige Modeerscheinung wirkt.
Der Grund hierfür ist meines Erachtens, dass es eine leise Krise ist, eine, die man gut verbergen kann — gerade weil von außen ja alles stimmt. Auch möchte man beim Eintritt in das Erwachsenenleben wohl kaum plakatieren, dass man innerlich vollkommen unsicher ist, während man nach außen die Contenance wahrt.
Warum ich gerade jetzt über dieses Thema schreibe? Weil ich diesen Zustand selbst nur zu gut kenne. Auch wenn mir der neudeutsche Terminus dafür nicht bekannt war, ist genau dies ein steter Begleiter in meinem derzeitigen Lebensabschnitt. Diese Unruhe war der Grund, mit meinem Blog zu starten, und ebenso der Grund für den Beginn meiner Weltreise. Genauer gesagt war es nicht nur die Frage, „ob es das nun schon von meinem Leben gewesen ist“, sondern vielmehr die Einsicht, dass ich dieses Leben so nicht mehr akzeptieren möchte. Beides waren für mich Schritte, um das Muster zu durchbrechen und einer Leidenschaft in meinem Leben wieder Raum zu geben, die ich lange Zeit aufgrund gesellschaftlicher Konventionen zurückgehalten habe. Und genau darüber möchte ich hier sprechen — um mit Dir gemeinsam diese schwere Phase im Leben nicht nur durchzustehen, sondern sie als Antrieb für unser Traumleben zu nutzen.
Das Leben, das auf dem Papier stimmt
Über mehr als ein Jahrzehnt hatte ich mir ein Leben aufgebaut, das jeder gängigen Vorstellung von Erfolg entsprach. Ein solides Studium, ein Auslandssemester in den USA, der Einstieg bei einem namhaften Arbeitgeber. Später kamen ein wunderschönes Haus und ein Auto hinzu, nicht zu vergessen meine mich liebende Partnerin — Jackpot, oder? Von außen betrachtet fehlte es an nichts — von innen jedoch fühlte ich mich wie betäubt. Ich ärgerte mich sogar darüber, dass ich mich über jene schönen Dinge und Momente nicht so freuen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Besonders bitter war jedoch, nicht benennen zu können, woran es mir eigentlich fehlte. Das hier zu lesen klingt fast schon arrogant, und so behielt ich den Gedanken fast zwei Jahre lang für mich allein.
Und dennoch suchte mich der Gedanke immer wieder heim, dass ich mehr aus meinem Leben machen könnte. Die sozialen Medien verstärkten dieses Gefühl: Wo man hinsieht, nur Erfolg und die sogenannten „Macher“, während man selbst zu Hause sitzt und sich zum fünften Mal alle Staffeln von „How I Met Your Mother“ oder „The Big Bang Theory“ ansieht.
Vielleicht ist Dir dieses Gefühl vertraut. Du hast eigentlich alles, bist aber irgendwie im Autopilot und kannst jenen Momenten, die Du Dir lange herbeigesehnt hast, nicht die Beachtung schenken, die sie verdient hätten.
Warum die Zeit gerade jetzt gegen uns spielt
Ohne die Büchse der Pandora öffnen zu wollen: Wenn Du gerade im Alter zwischen Anfang zwanzig und Mitte dreißig bist, bist Du Teil der „Krisen-Generation“. Willkommen im Club! Uns vereint, dass wir unser gesamtes junges Erwachsenenleben von einer Krise in die nächste stolpern — ob wir nun über Covid, die Energiekrise, den Ukrainekrieg, die Eurokrise oder den noch jungen Konflikt mit den USA sprechen. Wir kennen keinen wirtschaftlichen Aufschwung; stattdessen wächst uns die Inflation über den Kopf, bezahlbare Mieten sind kaum noch irgendwo zu finden, und unser amtierender Bundeskanzler sagt uns obendrein, wir sollten doch mehr und länger arbeiten — als wären die steigende Arbeitsbelastung und der Verlust jeglicher Hoffnung in unser Rentensystem nicht schon genug. Versteh mich bitte nicht falsch: Ich möchte Dich damit nicht verunsichern. Vielmehr möchte ich sagen, dass es in Ordnung ist, in einer Sinnkrise zu stecken. Nicht in Ordnung ist hingegen, sich damit abzufinden — und genau dabei möchte ich Dir helfen, damit wir gemeinsam stärker aus diesem Lebensabschnitt hervorgehen.
Was ich Dir mitgeben möchte
Wir neigen dazu, das Schwere im Sprung zu vermuten — in der Kündigung, im Verzicht, im Loslassen von Sicherheit — und uns damit abzufinden, dass das Leben nun einmal so ist, wie es uns präsentiert wird. Wir isolieren uns oder umgeben uns mit Gleichgesinnten und ärgern uns über die Umstände, in die wir entlassen wurden, weil uns genau das eint. Bodo Schäfer würde wohl sagen: „Wir verfallen dazu, ein Leben als Ente zu führen.“ Warum als Ente? Weil wir uns angewöhnen, die Dinge hinzunehmen, um dann hinter verschlossenen Türen darüber zu schnattern.
Der Gegensatz zur Ente ist der Adler. Er akzeptiert seine Umstände nicht und tut alles, um sie zu verändern. Dafür geht er auch bewusst Risiken ein, weil dies in seinem Leben notwendig ist, um zu überleben. Klingt vielleicht ein wenig überdramatisch, denkst Du? Dann stelle ich Dir eine Gegenfrage: „Akzeptierst Du es, ein Leben zu leben, das andere für Dich bestimmt haben? Ein Leben unterhalb Deiner Möglichkeiten und fernab davon, Dir Deine innersten Wünsche und Träume zu erfüllen?“
Ich hoffe sehr, dass Deine Antwort ein klares „Nein“ ist. Denn damit hast Du den wichtigsten Schritt aus der „Krise“ bereits gemeistert.
Auch wenn viele das anders vermuten — für mich war es überhaupt nicht schwer, meinen Job, mein Haus und all das aufzugeben. Die Schwierigkeit lag in den Wochen und Monaten davor. In jener Zeit, in der ich mir eingestehen musste, dass ich mein Leben falsch lebe. Ich hatte ein Leben gewählt, dessen Kernbestandteil es war, die Erwartungen anderer zu erfüllen, und hatte vollkommen verlernt, darauf zu hören, was ich mir eigentlich wünsche. In meinem Fall war es diese Reise — ebenso wie das Bedürfnis herauszufinden, was für mich im Leben sinnvoll und von Wert ist. Und das ist sicher nicht, irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen KPIs zu erfüllen oder die millionste PowerPoint-Datei zu erstellen, die sich am Ende des Tages doch niemand ansieht.
Häufig höre ich von Menschen in meinem Umfeld, die von meiner Kündigung und den Reiseplänen gehört hatten, sie könnten einen solchen Schritt nicht gehen — die Umstände ließen es nicht zu. Ich verstehe diesen Gedanken, und doch glaube ich inzwischen, dass er uns in die Irre führt. Denn in Wahrheit ist es selten eine Frage des Könnens. Es ist eine Frage dessen, welchen Dingen wir in unserem Leben Vorrang einräumen. Jeder von uns könnte, wenn er es wirklich wollte — die Frage ist nur, wie hoch wir den eigenen Wunsch im Verhältnis zu allem anderen gewichten und wie sehr wir uns von der erwarteten Meinung anderer leiten lassen.
Mel Robbins beschreibt in ihrer „Let Them“-Theorie einen Gedanken, der mich auf diesem Weg begleitet hat: Lass die anderen denken, was sie denken. Ihre Urteile gehören ihnen, nicht Dir. Und jene Energie, die wir darauf verwenden, mögliche Einwände vorwegzunehmen, fehlt uns am Ende für das eigene Leben.
Worte des Autors:
Ich möchte an dieser Stelle ehrlich sein, denn alles andere widerspräche dem, wofür dieser Blog steht. Für mich hat sich der Aufbruch leichter angefühlt, als ich es je erwartet hätte — doch das heißt nicht, dass ich nun frei von den Erwartungen anderer durchs Leben ginge. Es ist mir bis heute nicht gleichgültig, was Familie, Freunde und frühere Wegbegleiter über meinen Weg denken. Diese Muster lösen sich nicht über Nacht auf, und womöglich werden sie es nie vollständig.
Doch ich lasse mich nicht mehr von ihnen aufhalten. Und vielleicht liegt genau darin der Kern. Es geht nicht darum, die Angst vor dem Urteil anderer gänzlich zu überwinden, sondern darum, sie zu spüren und den eigenen Weg dennoch zu gehen.
Solltest Du gerade selbst vor solch einer Schwelle stehen und sie für eine unüberwindbare Mauer halten, dann lass Dir von jemandem, der lange genug davor verharrt hat, einen Gedanken mitgeben: Möglicherweise hast Du das Schwerste bereits hinter Dir. Du hast es nur noch nicht bemerkt.
Mit besten Absichten,
Nick